Gefahr im Bankensektor wächst [FT]

Gefahr im Bankensektor wächst [FT]

Die Unternehmensberatung Bain & Company veröffentlicht einmal jährlich eine Studie zum Zustand des europäischen Bankensystems. Hier die Links zum Artikel der FT (zahlungspflichtig) und zur Pressemitteilung von Bain & Company. Hier finden sich auch Schaubilder. Beide sind in englischer Sprache:

Number of European banks in danger rises sharply [FT]

Meldung von Bain & Company

Kommentar der Redaktion

Die Studie untersucht den Gesundheitszustand von 111 großen Banken in Europa. Sie kommt zu dem Schluss, dass die starken Banken, die überwiegend in den skandinavischen Ländern, Belgien, den Niederlanden und Irland beheimatet sind, weitere Fortschritte gemacht haben und immer stärker werden. Dagegen fallen die südeuropäischen Banken weiter zurück. Die Situation in Portugal und Italien ist sogar schlimmer als in Griechenland! Die deutschen Banken haben eine gute Kapitalausstattung, aber werden in Bezug auf ihr Geschäftsmodell negativ eingeschätzt.

Eine solche Entwicklung im Eurosystem kann nicht lange gut gehen. Die überschuldeten Banken Südeuropas fallen im Wettbewerb weiter zurück und es wird weitere Bankrotte geben. Wenn eine marktwirtschaftliche Abwicklung politisch nicht durchsetzbar ist, weil man einen Machtverlust „pro-europäischer“ Parteien befürchten müsste, wird man versuchen, die Verluste den Steuerzahlern im Euro-System zu übertragen. Die Bankenunion und die Kapitalmarktunion bieten solche Möglichkeiten. Auch andere Optionen, wie z.B. eine Nutzung der deutschen Einlagensicherungsfonds, sind denkbar. Zwar will die EU-Kommission nur soliden Bankensystemen eine Aufnahme in die Bankenunion ermöglichen. Das würde aber bedeuten, dass die Nationalstaaten vorher ihre Bankensysteme aufräumen müssten. Dazu sind weder Italien, Portugal oder Griechenland ohne einen weiteren massiven Bruch der Defizitkriterien in der Lage. Wenn man einen solchen Bruch zulässt, würden also diese Länder die Schulden der Banken verstaatlichen, die Schulden dann durch Anleihekäufe der EZB bzw. durch die nationalen Notenbanken und eine Steigerung der Geldmenge ins Euro-System übertragen. Die gewaltig steigende Geldmenge und die dann bei der noch höheren Staatsverschuldung notwendigerweise erforderliche Fortsetzung der Null-Zins-Politik, würde die Schulden dann irgendwann durch Inflation entwerten.

In diesem Licht ist auch die Debatte um die Nachfolge Draghis zu verstehen. Ein möglicher EZB-Präsident Weidmann könnte die Anleihekäufe reduzieren und die Sparer schützen. Das will Südeuropa unbedingt verhindern. Die Studie belegt, wie schlecht es um Italien, Griechenland und Portugal steht, und dass ein Ende der Niedrigzinspolitik aus politischen Gründen unwahrscheinlich ist. Das Eurosystem ist und bleibt ein gigantisches Umverteilungssystem von Nord nach Süd.

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