Kommentare von H.W. Sinn zu Juncker [DLF]

Kommentare von H.W. Sinn zu Juncker [DLF]

In zwei Artikeln äußert sich Hans Werner Sinn zu Junckers Reformplänen. Besonders kritisch sieht er die angedachte Ausweitung der Euro-Zone. Der eine ist beim Deutschlandfunk abgedruckt und gibt wohl ein Interview wieder:

Interview DLF

Der zweite findet sich in englischer Sprache bei Project Syndicate. In deutscher Sprache finden Sie es beim Handelsblatt, wo es aber zahlungspflichtig ist:

Sinn bei Project Syndicate

Sinn im Handelsblatt

Kommentar der Redaktion

Weil sich die Inhalte ähneln haben wir die Äußerungen hier zusammengefasst: Sinn legt seinen Fokus auf Junckers Pläne, die Eurozone auszuweiten. Bereits jetzt seien zu viele und zu unterschiedliche Länder im Euro, und die schwächeren würden nur deshalb überleben, weil sie Spielraum hätten um Geld zu drucken. Länder wie Bulgarien und Rumänien in die Eurozone zu holen, sei wie „Griechenland im Quadrat“. Diese Länder hätten Interesse in den Euro zu kommen, um ihre in Euro aufgenommenen Schulden bedienen zu können, die Banken hätten Interesse, diese Länder aufzunehmen, weil sie dann mit neu gedruckten Euros ihre Schulden zurückzahlen könnten. Billige Kredite würden Lohnerhöhungen im öffentlichen Sektor und Sozialtransfers und Pensionsanstiege zur Folge haben, Immobilienmärkte und Lohnsteigerungen würden überhitzen und die Wettbewerbsposition beschädigen. Am Ende würden dann nicht Abwertung und Umschuldung stehen, sondern mehr Rettungspolitik zu Lasten der Nordeuropäer und eine weitere Welle von Wirtschaftsmigranten. Juncker habe die jüngere Geschichte nicht begriffen.

Die beim Treffen der EU-Finanzminister in Tallin am 15. September verbreitete Botschaft, Griechenland sei auf einem guten Wege, bezeichnet Sinn als Propaganda. Die Schulden würden weiter steigen und die Verschuldung diene nur dazu, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit durch konjunkturelle Strohfeuer zu verdecken. Auch in Italien sieht Sinn große Risiken und eine zunehmende Ablehnung des Euro.

Der mit der Währungsunion eingeschlagene Weg führe nicht nach Europa. Sinn bezeichnet Jean-Claude Juncker deswegen auch als „charismatischen aber verwirrten“ Anführer. Eine Kurskorrektur sei notwendig. Sinn zeigt sich deswegen auch enttäuscht, daß das Thema Euro und Zukunft der EU im Bundestagswahlkampf praktisch keine Rolle spielen.

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